Prof. Dr. Heinz Cornel

Rede im Auftrag der Fördervereine der vier städtischen Kultureinrichtungen der Stadt Falkensee im Ausschuss für Bildung, Kultur, Soziales und Sport der Stadtverordnetenversammlung

02.07.2025

Prof.Dr. Cornel: „Vielen Dank fürs Wort. Gewisse Überschneidungen wird es geben. Wir wussten ja nicht, dass das vorher noch so vorgestellt wird.
Gut meine Damen und Herren, liebe Ausschussmitglieder, ich wechsle jetzt also zunächst meinen Hut, bin nicht mehr sachkundige Einwohner, sondern eben jemand, der im Auftrag der vier Fördervereine der Kulturinstitutionen spricht, die Kulturinstitutionen, die wir ja in den letzten 4 Monaten besucht haben. Das heißt, das Bild soll hier heute ein Gesamtblick sein. Das heißt, man kommt immer wieder zurück auf die 4 einzelnen (Institutionen), aber auch auf die Gespräche, die wir darüber hatten. Wir haben das, was ich jetzt vortrage, in mehreren Treffen der Vorsitzenden und weiterer Vorstandsmitglieder (der Fördervereine) abgesprochen. Auch die Leitungen der städtischen Institutionen – mit denen ist es abgestimmt, wobei das nicht heißt, dass jetzt jede Bewertung von uns, den Fördervereinen, von den Angestellten der Verwaltung auch so gesehen wird.

Wir bedanken uns zunächst mal für diesen Tagesordnungspunkt und auch begrüßen wir die ganze Initiative, diese Kultureinrichtungen besucht zu haben. Im Zusammenhang – das haben wir jetzt leicht gemacht bekommen mit der Analyse des Kollegen Goldhammer zu den städtischen Kultureinrichtungen, wir haben sie hier alle schon am 8. Januar in der Stadthalle bei unserer Sitzung gehört – verfügt jetzt die Stadt über ein aktuelles Bild der Aufgaben und Problemlage. Es wird deutlich, jedenfalls nach unserer Auffassung, alle Kultureinrichtungen leisten Bedeutendes für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Falkensee und weisen zugleich akute Problemlagen und Defizite auf.

Frau Jansen hat es eben nochmal genannt: Personalmangel, keine Barrierefreiheit, Sanierungsstau, bauliche Mängel, Platzmangel, Öffentlichkeitsarbeit wurde auch genannt. Da gehe ich jetzt nicht mehr weiter darauf ein. Aber das ist durchaus etwas, das wir uns gemerkt haben, uns besser darum zu kümmern.

Die Stadt hat diese vier Kultureinrichtungen, trägt sie und finanziert Personal- und sonstige Kosten seit 35 Jahren. Das ist zunächst einmal positiv festzuhalten und mehr als manch andere Kommune tut. Aber die Stadt ist in dieser Zeit auch gewachsen. Die Einwohnerzahl hat sich mehr als verdoppelt.

Die Stadt hat die letzten Jahre zu wenig, nach unserer Auffassung, in diese Einrichtungen investiert. Als fünftgrößte Stadt, beziehungsweise größtes Mittelzentrum des Landes, sollte Falkensee seine Vorbildwirkung auch auf kulturpolitischem Gebiet wahrnehmen und aktiv ausfüllen.

Ich gehe jetzt nochmal die vier Einrichtungen einzeln durch, weil sich die Gesamtsicht natürlich nur ergibt, wenn man aus den Einzelheiten etwas zusammensetzen kann. Es gibt also ganz kurze Wiederholungen. Ich versuche, das zu vermeiden.

Ich fange mit der Bibliothek an. Da ist der aktuelle Stand, wie wir alle wissen, „alles zurück auf null“.
Es gibt zurzeit keine Option für die Bibliothek. Ein Bedarfskonzept liegt zwar vor, aber die Standortsuche ist in weite Ferne gerückt. Es droht, ich glaube das sehen alle im Raum, eine Phase der Stagnation, da das vorhandene Gebäude das Hindernis für die Entwicklung der Bibliothek bleibt. Und es gibt dann aktuellen Personalmangel. Es gibt zwar 5 Mitarbeiterinnen, aber die sind alle in Teilzeit, sodass insgesamt etwa gut 3 Vollzeitäquivalente ausgefüllt werden. Das führt zu dauerhaften Schließzeiten. Denn es darf, das habe ich auch erst neu lernen müssen, das Haus überhaupt nur geöffnet werden, wenn mindestens 3 Mitarbeiterinnen anwesend sind. Das heißt, die 5,18 Vollzeiteinheiten, die vorgesehen sind, sind kommen nicht so genau in der Bibliothek an. Es geht also nicht darum, dass jetzt aktuell neue Stellen unbedingt im Haushalt zu beschließen wären, sondern die Verwaltung müsste zunächst durch Neueinstellungen die bestehende Lücke in der Stellenbesetzung schließen. Es klafft quasi ein Defizit von etwa 2 Stellen.

Zum Museum und Galerie: Der Erwerb des Nachbargrundstücks durch die Stadt ist positiv zu werten, aber es gibt keine Mittel zurzeit zur Fortsetzung des Planungsprozesses. Deswegen ist das, was auch von Goldammer genannt wurde, nämlich die fehlenden Räumlichkeiten für Veranstaltungen, keine Barrierefreiheit und Personalmangel weiterhin akut.

Für‘s Haus am Anger gibt’s Probleme mit dem Brandschutz. Das wissen wir seit geraumer Zeit. Und zwar im ersten Geschoss wo vor allem Arbeitsräumen und Werkstätten sind. Das ist praktisch durch dieses Treppenhaus kam noch zu bespielen. Das Dach ist teils undicht, an der Westseite regnet es hinein. Zum Glück ist am letzten Donnerstag kein Baum aufs Dach gefallen, aber die Westseite, wo das Wetter herkommt, hat wieder dazu geführt, dass Feuchtigkeit eingedrungen ist. Einige der Fenster sind in einem Zustand, dass sie nur noch zugenagelt werden konnten, um dicht zu sein, was natürlich keine gute Belüftung mit sich bringt. Die Sanitärsituation ist, glaub ich, auch allgemein bekannt als unerträglich. Das Elektrosystem wird stückweise saniert, aber immer wieder kommt es beim Einsatz von besonderen Beleuchtungskörpern so weit, dass die Sicherungen rausfallen und ähnliches mehr. Also, das ist ein bestehendes, bleibendes Problem. Wir hoffen, dass das Stück für Stück jetzt saniert wird. Und natürlich, auch nochmal genannt, die mangelnde Barrierefreiheit.

Und zum Kulturhaus Johannes-R.-Becher. Auch da Personalmangel. Die vielfältigen Veranstaltungsangebote, auch abends und an den Wochenenden sind mit 2 Mitarbeiterinnen nicht zu schaffen. Der Förderverein springt für vieles ein, aber eben nun nicht für alles.
Der unbefestigte Parkplatz (ist nicht barrierefrei), und es gibt für den großen Raum und auch die dort angeschlossene Toilette eine Teil-Barrierefreiheit. Aber alle anderen Bereiche, die Hälfte des Erdgeschosses, (da) müsste man 3 oder 4 Stufen hochgehen, und natürlich auch das Obergeschoss sind nicht zu erreichen.

Was ist aus Sicht der Fördervereine der vier Kultureinrichtungen jetzt zu tun? Das, was wir jetzt schon heute vielleicht beginnen: der Bildungsausschuss zieht Bilanz aus dem Vorortbesuchen der städtischen Kultureinrichtungen und versucht langfristig anders zu planen, aber auch schon im Hinblick auf die Haushaltsdiskussion 2026 Planungen und Maßnahmen aufzunehmen.

Für die Bibliothek mehr Personal. Die Frage, wie das mit den Stellen und den Teilzeitstellen geregelt ist, habe ich schon genannt. Der Arbeitskräftepool aller MitarbeiterInnen in den Kultureinrichtungen ist zu durchleuchten, ob eventuell ein Springersystem einzurichten ist. Das bringt für die einen Einrichtungen mehr für die anderen ist das ist nicht so wichtig. Und vielleicht es geht auch um Kauf oder Leasing eines digitalen Ausleihsystems.

Für das Museum und die Galerie: Ablauf und Finanzierungsplanung für den Erweiterungsbau, auch hier mehr Personal und Honorarkräfte.

Haus am Anger: Brandschutz, Elektroinstallation, Generalsanierung hinsichtlich beispielsweise Dach, Fenster und Toiletten. Und natürlich Barrierefreiheit, denn die Werkstätten im 1 Stock sollen für alle erreichbar sein.

Und zum Kulturhaus Johannes R. Becher: Erdgeschoss vollständig und Obergeschoss barrierefrei machen, qualifizierter Parkplatz mit ausgewiesenem Behindertenparkplatz und erweiterte Außenbeleuchtung. Mehr personelle Unterstützung. Die Honorarmittel insbesondere sind nicht ausreichend. Anschaffung eines Defibrillators aufgrund des fortgeschrittenen Alters vieler Gäste.

Einrichtungsübergreifend schlagen wir folgendes vor:

  • Erarbeitung einer Kulturkonzeption für Falkensee mit dem Ziel, die Marke „Kulturstadt Falkensee“ zu entwickeln.
  • Ableitung einer Kulturstrategie bis 2030, in der Schritte zur Lösung der aktuellen Probleme und Defizite einschließlich ihrer Finanzierungsmöglichkeiten aufgezeigt werden.
  • Prüfung der Inanspruchnahme von Fördermitteln für die Zentrumsentwickelung und
  • Gründung eines Kulturaktivs, um die Interessen aller Kultureinrichtungen der Stadt gegenüber der Verwaltung und der politischen Ebene besser kommunizieren zu können.

Bei dem Begriff, ich sage es gleich voraus, – vielleicht kommen ja jetzt tolle Ideen – „Kulturaktiv“ als Parallele zum „Aktivsport“ muss es nicht bleiben. Wir haben uns einige Mühe gemacht, einen besseren Begriff zu finden. Wir haben ihn nicht gefunden, aber das heißt ja nicht, dass wir hier nicht mit viel Fantasie etwas finden werden. Ansonsten kann es ja bei dem Arbeitsbegriff „Kulturaktiv“ erst einmal bleiben.

Lassen sie mich abschließend noch etwas anfügen, damit wir nicht missverstanden werden Es geht und ging heute um eine Gesamtsicht. Und deshalb haben wir alles zusammengefügt und alles an Problemen und Wünschen aufgezählt. Wir sind nicht naiv und wissen, dass das nicht alles schnell geht, dass es finanziert werden muss und dass dazu von unserer Seite und den BürgerInnen Falkensees auch Geduld gehört. Aber gerade weil wir uns über das Interesse des Ausschusses in den letzten 6 Monaten freuen, und weil wir wissen, dass nicht alles auf einmal geht, haben wir hier alles offengelegt und schlagen eine geplante Kulturstrategie vor. Es geht sicherlich nicht alles auf einmal, aber gerade deshalb muss man geplant anfangen. Jedes Jahr ein Stück und dann sieht es in 5 oder 8 Jahren schon viel besser aus.

Vielen Dank.